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Vernetzungstreffen
„Karrierewege von Frauen“
Frauen benötigen für eine Wissenschaftskarriere eine hohe individuelle Motivation, aber auch unterstützende Vorgesetzte und Partner, die tatsächlich und nicht bloß vordergründig überkommene Rollenklischees überwunden haben. Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe illustrierte im Rahmen des ersten gemeinsamen Vernetzungstreffens der drei hessischen Hochschul-Mentoringprogramme MentorinnenNetzwerk, SciMento und ProProfessur, das am 3. November an der Goethe-Universität stattfand, die Verhinderungsstrukturen, die für Frauen in der Wissenschaft nach wie vor bremsend wirken.
Prof. Dr. Uta Meier-Gräwe hat es geschafft – sie ist seit 1994 Professorin an der Justus-Liebig-Universität Gießen, leitet dort den Lehrstuhl für Wirtschaftslehre des Haushalts und Verbraucherforschung und ist außerdem Mitglied der Sachverständigenkommission für den 1. Gleichstellungsbericht der Bundesregierung. Wer eine solche berufliche Karriere anstrebt, geht davon aus, sehr viel Arbeitszeit investieren zu müssen und wenig Zeit für Familienleben und Freizeit zu haben. Und oft stimmt dieses Vorurteil auch, da viele Vorgesetzte – sowohl Männer als auch Frauen - von ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern einen hohen Einsatz auch über die „offizielle“ Arbeitszeit hinaus erwarten. Dieser Umstand ist für Männer wie Frauen gleichermaßen anstrengend. Doch für Frauen wird die Entscheidung für einen solch hohen zeitlichen Einsatz zusätzlich dadurch erschwert, dass sie – wenn sie einen Kinderwunsch haben – nach wie vor hauptsächlich für die Kinderbetreuung und sonstige Familienarbeit zuständig sind. Und die Zeit der Familiengründung fällt meist zusammen mit der entscheidenden Qualifikationsphase für eine Wissenschaftskarriere. Für Männer sind Kinder kein Karrierehindernis, für Frauen oftmals schon – auf jeden Fall sind sie in weit höherem Maße der Doppelbelastung ausgesetzt, Kinderbetreuung und Berufsleben miteinander in Einklang zu bringen. Dass dies leider kein überkommenes Klischee ist, sondern Realität, hat Uta Meier-Gräwe mit Studien zur Arbeitsteilung zwischen den Geschlechtern immer wieder bestätigt. „Diese Doppelbelastung wird Frauen zusätzlich zum Nachteil, weil insbesondere männliche Vorgesetzte davon ausgehen, dass Frauen stärker von ihrer Berufsarbeit abgelenkt sind als Männer und weniger gut verfügbar sind. Dieses Urteil wird dabei selbst auf jene Frauen ausgeweitet, die noch gar keine Kinder haben oder auch gar keine wollen.“, so Uta Meier-Gräwe.
Einerseits gilt im Berufsleben stärker als je zuvor der männlich geprägte Habitus einer grenzenlosen Rundum-Verfügbarkeit, andererseits existiert speziell in (West-)Deutschland nach wie vor die Vorstellung, dass die Mutter zu ihrem Kind gehört. Und auch wenn Krippenplätze und die Ganztagsbetreuung in Schulen ausgebaut werden – es fehlen dennoch Unterbringungsmöglichkeiten in erheblichem Ausmaß. Das führt dazu, dass circa 35 Prozent aller Akademikerinnen in Westdeutschland zeitlebens kinderlos bleiben. Trotzdem sind die Top-Positionen in der Wissenschaft wie auch in der Wirtschaft nach wie vor weit überwiegend mit Männern besetzt – die durchaus Kinder haben. Dieser Zustand ist nicht nur ungerecht, sondern auch dramatisch, den auf diese Weise wird die hohe Qualifikation von Frauen nach wie vor „weggeworfen“. Zudem haben Frauen als Genus-Gruppe die Männer in puncto Bildungserfolg längst überholt: Während in der Altersgruppe der 40-44jährigen noch etwas mehr Männer als Frauen einen Fachhochschul- oder Hochschulabschluss haben kehrt sich dieses Verhältnis in der 20 Jahre jüngeren Altersgruppe genau um. Der Anteil der Frauen mit Hochschulabschluss hat sich in den letzten 30 Jahren verfünffacht und der Anteil wird weiter steigen. Schon alleine deshalb ist es dringend geboten, über eine generelle verbesserte Vereinbarkeit von Kinderbetreuung und sonstigen Care-Tätigkeiten mit einem Berufsleben nachzudenken und aktiv darauf zuzusteuern.
Die Notwendigkeit weiblichen Wissenschaftsnachwuchs gezielt zu fördern und zu unterstützen, machte auch die Gleichstellungsbeauftragte der Goethe-Universität Dr. Anja Wolde in Ihrer Begrüßung deutlich. Sie betonte, dass mit den drei Mentoring-Projekten MentorinnenNetzwerk, SciMento und ProProfessur in Hessen eine bundesweit einmalige Struktur zur Förderung junger Wissenschaftlerinnen besteht – von der Studentin bis zur Professorin. Alle drei Projekte sind mit ihren Koordinierungsstellen an der Goethe-Universität beheimatet und arbeiten gemeinsam daran, den drop-out hervorragend qualifizierter Nachwuchskräfte zu verhindern und Frauenkarrieren in Wirtschaft und Wissenschaft zu fördern. Zu diesem ersten gemeinsamen Vernetzungstreffen kamen rund 100 Mentees und Mentorinnen aus den drei Projekten, die den Abend auch zu einem intensiven Austausch untereinander nutzten.
Susanne Rauscher, Simone Diehl
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