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Tag der Offenen Tür am Fraunhofer Institut Darmstadt
Freitag, der 29. November 2002

Freitag! Das bedeutete: Wochenende! Obwohl ich relativ viele Hausaufgaben aufgekriegt hatte, fiel wie jede Woche eine Last von meinen Schultern, und ich wurde vom Schüler zum Mensch. Doch mein Tag war noch lange nicht zu Ende! Jetzt würde der aufregende Teil an-fangen. Gequetscht zwischen Schulschluss und Ballettstunde fand sich auf meinem Kalender noch ein weiteres Ereignis am 29. November 2002: Der Tag der Offenen Tür am Fraunhofer Institut in Darmstadt. Zusammen mit Sabine, einer unserer superlieben Juniormentorinnen, und meinen zwei Freundinnen und Mitjuniormentees Romy und Lena ging es los auf die a-benteuerliche Fahrt der Entdeckerinnen von der Fachhochschule Wiesbaden in Zusammenar-beit mit der Gutenbergschule.

Allein die Fahrt war trotz Routenplanung und bester Vorbereitung seitens Sabine ein kleiner Trip ins Unbekannte - denn auch mit Straßenkarte kann man sich verfahren! Wir allerdings bewiesen, dass Autofahren durchaus auch Frauensache ist, und kamen ungehindert, sicher und schnell an unserem Ziel an. Während ich noch mit einer Orange kämpfte, machten wir uns auf den Weg zum Gebäude des IPSI, was, wie wir bald herausfinden sollten, Integrierte Publika-tions- und Informationssysteme bedeutet. Wir blieben allerdings bei IPSI, denn der Klang der Abkürzung hatte doch etwas Fröhliches an sich.

Am Eingang wurden wir freundlich begrüßt und bekamen sogleich einen Raumplan und eine Mappe mit Informationen über alle ausgestellten "integrierten Publikations- und Informati-onssysteme".

Als erstes suchten wir die "schlauen Möbel". Unter diesem Namen stellten wir uns natürlich sofort irgendwelche High-Tech Geräte mit eingebauten Sonderfunktionen vor, wie sie vielleicht in Science-Fiction-Filmen vorkommen. Deshalb fiel der erste Eindruck auch leicht enttäuschend aus: Immerhin waren die Möbel ein ganz normaler Konferenztisch, ein Stuhl und eine vier Meter fünfzig breite Bildschirmwand. Auf den zweiten Blick aber stellte sich heraus, dass diese Möbel doch einiges mehr konnten, als nur da stehen. Leider war der Tisch gerade, bevor wir kamen, außer Gefecht gesetzt worden, aber die Wand und den Stuhl mit integrier-tem Computer durften wir selbst ausprobieren. Da die Bildschirme Touch-Screens waren, waren wir schon bald damit beschäftigt, Nikolaushäuschen, Blümchen und andere Kritzeleien zu fabrizieren. Da das Löschen und Verschieben der Zeichnungen, das Öffnen von Fenstern und andere Funktionen per Symbolcode vonstatten ging, hatten wir unseren Spaß mit dem Auswendiglernen und Anwenden der einfachen Symbole. Das "Hin- und Herwerfen" von Objekten über die Wand machte uns besonders viel Freude, und auch das Rätsel um den Da-teitransport von einem zum anderen Medium mit jedem beliebigen Gegenstand war schnell gelöst - das System arbeitete mit Gewicht.
Eine sehr spannende Präsentation (leider immer noch ohne Tisch) der drei netten Entwickler versetzte uns dann eindrucksvoll in zukünftige Konferenzszenarien. Eine Mischung aus Schauspiel und Erklärung machte die Vorführung zu einem wahrhaft alles andere als langwei-ligen Vortrag. Auch nach der etwa viertelstündigen Präsentation blieben wir noch etwa eine halbe Stunde, um ausgiebig zu experimentieren. Ein paar Jungs von einer anderen Schule oder vielleicht auch Universität kamen hinzu, und probierten gleich einmal die Flirttauglichkeit des Systems aus. Wir enthielten uns allerdings jedweder Anmache und beschlossen nach rund einer Stunde Aufenthalt bei "Roomware", den armen, genervten Entwicklern eine Pause zu gönnen. Als abschließende Bewertung bleibt nur zu sagen: Toll! Immerhin habe ich dieses Wort mindestens ein Dutzend Mal wiederholt...

So zogen wir weiter, dahin, wo uns der Slogan "L³ - Lebenslanges Lernen" wegen unserem Schülertum angesprochen hatte. Auf dem Gang davor fand gerade eine Babyschau statt - eine der Kolleginnen des Instituts hatte wohl Nachwuchs bekommen... Aber das trug nur noch mehr zur netten und freundlichen Atmosphäre bei (o.k., die war ja auch ein bisschen selbst-gemacht). Auf jeden Fall betraten wir einen Raum mit mehreren Computern, von denen vier der Präsentation des Projektes dienten. Was sich ursprünglich interessant angehört hatte, ent-puppte sich schnell als - nichts für Ungut - eher langweiliges, nicht für Schüler gedachtes Programm zur Sprachkenntnisverbesserung am Arbeitsplatz. Da das System gerade abgestürzt war, und der uns einführende Herr nicht wirklich unsere Begeisterung wecken konnte, verzo-gen wir uns ziemlich bald wieder, um Sabines Wunsch, einen 3D-Bildschirm anzuschaun, nur zu gern nachzukommen. Als Fazit einigten wir uns auf "interessant", um neutral zu bleiben...

Um zum 3D-Bildschirm zu gelangen, mussten wir erst noch ein Stockwerk höher steigen. Dort bekamen wir dann einen ganz normalen Bildschirm mit einem Vorfilter und einem Auf-bau aus zwei Kameras zu sehen. Die Jungs von "Roomware" trafen wir dort wieder, diesmal waren sie es allerdings, die gleich weiterzogen. Danach blieben wir, ein Herr mit seinem Sohn, ein zweiter Herr und ein für den Bildschirm zuständiger asiatischer Herr übrig. Nach-dem der Sohn, der gebannt auf den Bildschirm blickte, von seinem Vater überzeugt wurde, uns auch einmal schauen zu lassen, traten wir nacheinander in die Welt der Wunder ein. O.k., das ist vielleicht ein bisschen übertrieben, aber nachdem die Kameras aus dem Aufbau die Augen im Visier hatten, bekam man wirklich den Eindruck, dreidimensionale Bilder zu sehen. Sabine wollte nun noch einige fachliche Fragen beantwortet haben, dabei stellte sich aller-dings heraus, dass der Bildschirm gar keine Eigenproduktion war, und der überaus freundli-che Asiate gar nicht genau erklären konnte, was das Prinzip war. Trotzdem, eine sehr neue Erfahrung - Lena wünscht sich so einen Bildschirm jetzt auch! Mein Fazit: Klasse!

Weiter ging es zum 3D-Scan. Dort trafen wir auf zwei supernette Informatiker, die uns sogleich als lebende Modelle für ein dreidimensionales Scannerbild einsetzten. Mein Scan war meiner Meinung ganz zufriedenstellend, obwohl sich bei anderen zeigte, dass die Bilder teilweise doch recht unvorteilhaft ein etwas zu großes Körpervolumen darstellten. Außerdem reflektierten die roten Scannerlaser, die in allen vier Ecken des Scanraums - ein mit Vorhän-gen verdunkelter Raum mit Podest, einer Umkleidekabine ähnelnd - angebracht waren, schwarz oder dunkle Farben nur unzureichend. So bekamen Romys schöne dunkle Haare lei-der Löcher in der fertigen Darstellung.
Als weiteren Bonus bekamen wir dann noch eine kleine Animation zu sehen, bei der eines der 3D-Männchen mit einem virtuellen Skelett versehen schon erste Schritte vollführte.
Nach dieser beeindruckenden Zukunftsvision waren wir uns absolut einig: Einfach genial!

Die letzte Station unserer Odyssee durch das zukunftsweisende Fraunhofer Institut war nach meinem Wunsch eine Lichterwand, die ich bereits auf dem Weg zu "Roomware" entdeckt hatte. Sie bestand aus mehreren Reihen Glühbirnen, und abwechselnd erschienen einige Sym-bole in ihrer Mitte. Wie uns der hilfsbereite und sehr freundliche Zuständige erklärte, war dies zuallererst wirklich das, für was wir es hielten: ein Kunstobjekt mit Aufmerksamkeit erregen-der Wirkung. Es hatte aber noch einen weiteren Sinn: die verschlüsselte Übertragung von Botschaften in einem öffentlichen Bereich eines Bürogebäudes. Die Symbole sollten für Ein-geweihte Bedeutungen wie "wichtige Nachricht wartet" oder "Meeting heute" haben. Das ganze funktionierte mit kleinen handyähnlichen Sendern, die der jeweiligen Person im nähe-ren Bereich die Nachricht übermitteln sollten. Es ginge sogar soweit, dass mit Hilfe dieser Sender Nachrichten in der Lichterwand gespeichert und abgerufen werden könnten. Ein Kommunikationsmittel mit Zukunft - meine Bewertung: witzig, aufgrund der immerwähren-den Bewegung der Lichter!
Das war nun schon das Ende unseres Besuchs im IPSI. Überwältigt von den vielen neuen Eindrücken und voller neuer Ideen machten wir uns auf zu Sabines Auto. Auf diesem Weg begegnete uns dann noch der einzig unfreundliche Mensch dieses Tages - der Pförtner. Nicht, dass Pförtner grundsätzlich miesepetrig wären - aber dieser war es eindeutig. Vielleicht lag es aber nur an dem ungewohnt regen Betrieb des Tages, oder daran, dass wir in unserer Ü-berschwenglichkeit beinahe gegen die Tür rannten. Wer weiß...
Auf jeden Fall war dieser Tag ein Beweis, dass das Mentorinnenprojekt, an dem wir schon unsere Zweifel hatten, keine vergeudete Zeit ist. Auf der Rückfahrt besprachen wir noch einmal mit Begeisterung die Geschehnisse des Tages und gedachten nicht ohne Schadenfreude derer, die diese Möglichkeit nicht genutzt hatten.

So kam ich dann nun doch noch zu meiner Ballettstunde. Und dieser Ausflug blieb noch für längere Zeit als schönes Erlebnis in unserer Erinnerung haften. Fazit: Ein insgesamt cooler Tag!

Verfasst von Regina Hasselbach am 8. und 9. Januar 2003

 

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